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Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

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Eines der wichtigsten Anliegen von Patienten ist eine möglichst schnelle, wirksame und sichere Behandlung. Viele Bürger Europas nehmen medizinische Leistungen in anderen Mitgliedsländern in Anspruch, weil dort die Gesundheitsversorgung besser ist oder weil sie in Grenzregionen leben, in denen sich die nächstgelegene geeignete Einrichtung im Nachbarland befindet.

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Eines der wichtigsten Anliegen von Patienten ist eine möglichst schnelle, wirksame und sichere Behandlung. Viele Bürger Europas nehmen medizinische Leistungen in anderen Mitgliedsländern in Anspruch, weil dort die Gesundheitsversorgung besser ist oder weil sie in Grenzregionen leben, in denen sich die nächstgelegene geeignete Einrichtung im Nachbarland befindet. Weitere Gründe sind das Fehlen von Behandlungsmöglichkeiten im eigenen Land aufgrund von nicht vorhandener Kompetenz im jeweiligen medizinischen Fachgebiet (ein häufiger Grund für Patienten mit seltenen Krankheiten) oder ethische Gründe. Vor dem Hintergrund der Mobilität von Patienten stellen sich einige Fragen:

- Wer zahlt für die grenzüberschreitende medizinische Versorgung und in welchen Fällen?
- Wo können Patienten die Adresse der Einrichtung erfahren, die eine bestmögliche Behandlung anbietet?
- Sollte die Zustimmung des Gesundheitssystems des eigenen Lands für die Behandlung im EU-Ausland erforderlich sein?
- Welche Regeln gelten für Patienten, die ein Spenderorgan benötigen? Wer hat Priorität in der Warteliste?
- Welche Regelungen gelten für Reisekosten für Patienten und Verwandten, Folgebehandlungen und benötigte Medikamente?

Die Europäische Kommission hat vor kurzem eine Richtlinie für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung vorgelegt, die einige dieser Fragen klären soll. Die Richtlinie greift einerseits die Notwendigkeit einer grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung auf, insbesondere für seltene Erkrankungen sowie bei fehlender Alternative im Inland, und stärkt andererseits die Telemedizin durch ein Netz aus fachmedizinischen Zentren und die Verwendung harmonisierter eHealth-Tools. Die Gestaltung eines Gesetzes, das für alle Patienten in allen medizinischen Situationen und in allen Mitgliedsstaaten gelten soll, ist ein schwieriges Unterfangen. Die Kernfrage bleibt bestehen: Wie will Europa einen gerechten Zugang zu einer gleichwertigen medizinischen Betreuung für alle seine Bürger sicherstellen?

Created 22 January 2010
Last edited 30 August 2018
Topics Ethics, Health, Politics
Original English

Story cards

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Mein Name ist João und ich bin Portugiese. Vor einigen Jahren habe ich einen Arzt für einen Checkup aufgesucht. Der Arzt empfahl mir dringend eine spezielle Untersuchung vornehmen zu lassen, die nur in Schweden möglich ist. Ich sollte keine kostbare Zeit verlieren und nicht auf die staatliche Genehmigung warten. Mit den Ergebnissen erhielt ich die Rechnung des medizinischen Zentrums. Ich beantragte die Erstattung der Kosten, doch mein Antrag wurde abgelehnt mit der Begründung, dass die Untersuchung nicht klassifiziert war und keine vorherige Genehmigung eingeholt worden war. Ich musste daher nicht nur die Kosten für die Reise zur Behandlung meiner Krankheit, sondern auch die der Untersuchung selbst tragen.

João Gomes
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Mein Name ist Maria, ich lebe in Griechenland und bin 78 Jahre alt. Seit einem Hirninfarkt im Jahr 2004 bin ich gelähmt. Zwei Jahre lang musste ich einige Male verschiedene Krankenhäuser aufsuchen, was mit erheblichen Schwierigkeiten für mich und meine Kinder verbunden war, da ich in einem kleinen Dorf lebe. Seit 2006 steht mir ein häuslicher Dienst zur Verfügung, der von einem Expertenteam bereitgestellt wird und virtuelle Arztvisiten ermöglicht. Dieser Dienst hat meine Lebensqualität stark verbessert und halbiert die Anzahl der Krankenhausbesuche, wodurch ich die hohen Ausgaben für Reisen reduzieren kann. Dieses System wird bisher nur in meiner Region angeboten und befindet sich noch in der Testphase. Wie lange müssen andere Leute in einer ähnlichen Situation auf diese Behandlung warten?

Maria Papanikolaou
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Mein Name ist Ovidio, ich bin Rumäne und 20 Jahre alt. Vor kurzem wurde bei mir Krebs festgestellt, und mein Arzt hält eine Knochenmarktransplantation für notwendig. Die Suche nach einem passenden Spender in Rumänien war erfolglos, aber mein Arzt hat ein Transplantat in Frankreich gefunden, das 5.000 Euro kostet. Die zuständigen Stellen hier vor Ort haben mir die Genehmigung erteilt, aber dem Gesetz nach muss ich die Kosten zunächst verauslagen. Aber selbst wenn ich das Geld auftreiben kann: Der Staat wird mit nur den Betrag erstatten, den ein Transplantat hier gekostet hätte. Diese Regelung der Kostenerstattung hilft mir nicht weiter, da die Behandlung in Rumänien viel billiger ist als in Frankreich.

Ovidio
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Mein Name ist Elain, ich bin Britin und 46 Jahre alt. Ich habe zahlreiche erfolglose IVF-Behandlungen hinter mir und insgesamt mehr als 30.000 Pfund ausgegeben. Ich versuche nun eine Behandlung in einer Klinik in Bulgarien, Rumänien oder Spanien zu erhalten, wo kein gesetzliches Höchstalter für IVF-Behandlungen besteht. In England habe ich keine Chance mehr, schwanger zu werden, da Frauen über 40 keine IVF-Behandlung erhalten dürfen. Viele meiner Verwandten verübeln mir meinen Babywunsch. Aber die meisten von ihnen haben selbst Kinder und können mich nicht verstehen. Mein Mann und ich sind sehr gesund, wir haben ein Recht auf ein Kind und wir werden bald einen weiteren Versuch starten.

Elain McGlade
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Bei unserem Sohn Ulrich wurde NBIA festgestellt, eine sehr seltene, erbliche neurologische Bewegungsstörung. In Deutschland besteht ein Netzwerk für NBIA-Patienten, aber kein einziges europäisches NBIA-Patienten-Netzwerk. Gelegentlich kontaktieren uns Patienten aus anderen Ländern, die verzweifelt nach Informationen, Behandlungsmöglichkeiten oder Ärzten für diese Krankheit suchen, aber wir können nicht viel für sie tun. Ich hoffe, es wird eines Tages eine Struktur geben, die uns die Kommunikation mit Betroffenen in anderen Ländern und den Austausch hilfreicher Kontakten und medizinischer Informationen ermöglicht.

Achim Heckl
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Mein Name ist Sheena und ich komme aus Dänemark. Ich benötige seit einem Jahr ein Lebertransplantat. Ich habe versucht, einen Termin für die Transplantation zu vereinbaren, aber ich werde noch mehrere Monate auf die Operation warten müssen. Das nächstgelegene Krankenhaus nimmt eine große Zahl von Patienten aus einer benachbarten Stadt jenseits der Grenze an. Diese Leute befinden sich auf derselben Liste und verlängern meine Wartezeit. Ich halte dies für ungerecht. Ich bezahle Steuern in diesem Land und erwarte eine bevorzugte Behandlung vor Patienten aus dem Ausland. Wie lange soll ich noch auf meine Behandlung warten?

Sheena Laursen
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Mein Name ist Sara. Ich lebe in Italien und habe eine vierjährige Tochter, die an einer seltenen Immunschwächekrankheit leidet. Der Arzt hat uns kürzlich von einer neuen Therapie in Deutschland erzählt. Das hiesige Gesundheitssystem wird die Behandlungskosten erstatten, aber eine Behandlung dort bedeutet auch Reise- und Unterbringungskosten für mehrere Monate. Außerdem müssen wir die Übersetzung von Dokumenten, Dolmetscherdienste und ähnliches bezahlen. Wir werden mehrere Operationen und Medikamente brauchen. Diese Kosten werden nicht übernommen. Wir geraten dadurch in eine sehr schwierige finanzielle Lage, aber wie kann jemand das Leben eines Kindes zu einer Kostenfrage machen?

Sara Antonioni
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Mein Name ist Carlos, und ich arbeite bei der öffentlichen Verwaltung in Valencia. Wir spüren die Folgen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in unserer Region sehr deutlich. Die mehr als 500.000 Briten – die meisten von ihnen älter als 50 Jahre – und andere EU-Bürger, die derzeit in der Region Valencia leben, bedeuten eine untragbare Belastung für das Gesundheitssystem unseres Landes. Wir müssen zusätzlich 1 Milliarde Euro pro Jahr bereitstellen, um uns um eine Million neue Einwohner kümmern zu können. Das ist eine schwere Last auf unseren Schultern, und wir können diese Situation nicht länger hinnehmen. Mir ist bewusst, dass die Region von der Anwesenheit der EU-Bürger auch profitiert, aber die Belastung ist dennoch zu hoch für uns.

Carlos Soares

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Die Bedeutung der Telemedizin

Durch die Telemedizin kann ein Patient Gesundheitsdienstleistungen aus dem Ausland erhalten, ohne dass er selbst oder der Arzt in ein anderes Land reisen muss (z. B. ist die Diagnose von physischen Fehlentwicklungen bei der Geburt durch die Bereitstellung von Fotos und Symptomen zwischen Ärzten verschiedener Länder möglich).

Wer ist für Fehler in der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung verantwortlich?

Obwohl die Gesundheitsversorgung das Wohl des Patienten in den Mittelpunkt stellt, können Patienten durch Fehler bei der Behandlung zu Schaden kommen. Wer haftet für die möglichen Fehler während einer grenzüberschreitenden Behandlung? Wer leistet Schadenersatz an den Patienten? Wessen Haftungsvorschriften gelten?

Ethische Fragen unterschiedlicher Länder

Wenn sich eine Frau nur außerhalb ihres eigenen Landes einer Fruchtbarkeitsbehandlung unterziehen kann (aufgrund unterschiedlicher Altersgrenzen), wer entscheidet dann über den Anspruch auf Kostenerstattung? Wessen ethische Grundsätze gelten?

Fehlen einer transparenten gesetzlichen Grundlage

Aufgrund von unterschiedlichen Vorschriften haben viele Patienten Probleme bei der Nutzung von grenzüberschreitenden Gesundheitsdienstleistungen erfahren. Beispielsweise unterscheidet sich der gesetzliche Status von Stammzelltherapien in den einzelnen EU-Mitgliedsländern.

Vorherige Genehmigung erforderlich

Eine vorherige Genehmigung für eine grenzüberschreitende Behandlung ist oft komplex, zeitaufwendig und willkürlich, insbesondere bei seltenen Erkrankungen, die vielen Mitarbeitern des Gesundheitssystems oder der zuständigen Behörde unbekannt und dementsprechend marginalisiert sind.

Indirekter Kostenaufwand für Reisen

Patienten mit seltenen Erkrankungen sind häufig nicht unabhängig genug, um ohne Hilfsperson reisen zu können. Neben den Behandlungskosten sind die Reisekosten von zwei Personen und der Verdienstausfall während der Reise Teil der Gesamtkosten.

Besondere Regelungen für seltene Krankheiten

Welche Regeln auch immer für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung gelten mögen – die Kosten für die Behandlung von Patienten mit seltenen Krankheiten im Ausland müssen in jedem Fall erstattet werden, auch dann wenn dies im Land ihres Wohnorts ohne vorherige Genehmigung nicht vorgesehen ist.

Die Rolle der Fachzentren

Patienten, die an einer seltenen Erkrankung leiden, werden in herkömmlichen Gesundheitssystemen, die auf die Behandlung von gängigen Krankheiten ausgelegt sind, häufig marginalisiert. Die Umstrukturierung des Systems für die Behandlung gängiger Krankheiten kann durch die Einrichtung von medizinischen Fachzentren geschehen.

Seltene Krankheiten und vorherige Genehmigung

Wie können die Behandlungskosten für eine seltene Krankheit bis zur im Heimatland üblichen Höhe erstattet werden, wenn das Gesundheitssystem des Heimatlandes die Behandlung dieser Krankheit nicht anerkennt und deren Kosten nicht übernimmt?

Informationsquellen

Wer ist für die Bereitstellung von Informationen für Patienten zuständig, die eine Behandlung im Ausland in Betracht ziehen? Die EU? Die Mitgliedsländer? Oder die Mitarbeiter des Gesundheitssektors?

Gleichwertige Gesundheitsdienstleistungen

Ist es nicht diskriminierend, Patienten aus einem anderen EU-Land gegenüber Bürgern des Landes, in dem die Gesundheitsdienstleistung erbracht wird, nicht gleich zu behandeln?

Vorzugsbehandlung auf Wartelisten?

Das bisherige System setzt Patienten anderer Mitgliedsländer unter denselben Bedingungen auf die Warteliste für die entsprechende Behandlung. Ist es als gerecht anzusehen, dass inländische Patienten zusammen mit Patienten aus anderen Ländern auf die Warteliste kommen?

Patienten bevorzugen Nähe

Patienten betrachten das Reisen für eine Behandlung häufig als unangenehm (eine Befragung in Finnland ergab, dass 90 Prozent der älteren Bürger die Überweisung sogar im Inland ablehnen, selbst wenn auf diese Weise eine kürzere Wartezeit ermöglicht werden kann).

Zuständigkeit eines Mitgliedslandes

Derzeit sind Gesundheitsdienstleister nicht dazu verpflichtet, Patienten aus dem Ausland für geplante Behandlungen anzunehmen, denn dies könnte ihre Behandlungskapazität (fehlende Medikamente) und medizinische Kompetenz ihres Landes beeinträchtigen.

Verauslagung durch den Patienten erforderlich

Die aktuellen europäischen Richtlinien schaffen ein Regelwerk für wohlhabende und gut informierte Bürger Europas, da alles auf Verauslagung und spätere Erstattung basiert.

Der Mobilität von Patienten sollte die Mobilität der Patientenakten folgen.

Die Mobilität von Patienten in Europa erfordert die Mobilität ihrer Patientenakten und ein System, das ein Nachverfolgen ihrer Behandlung und Folgeuntersuchungen ermöglicht.

Offener Markt der Gesundheitsdienstleistungen – Gegenstimmen

Einem vollständig offenen System widersetzen sich einige Mitgliedsländer, die über ein hochwertiges und teures Gesundheitssystem verfügen. Diese Länder befürchten einen Qualitätsverlust ihrer Gesundheitsdienstleistungen.

Das Recht auf eine hochwertige Gesundheitsversorgung

Es geht nicht allein um das Recht auf Gesundheitsversorgung, sondern auch um das Recht auf Dienstleistungen, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Wie können Qualitätsstandards festgelegt und deren Einhaltung kontinuierlich überwacht und beurteilt werden? Und durch wen?

Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung ist eine Notwendigkeit für Träger seltener Krankheiten

Bei mehr als 6.000 seltenen Krankheiten ist es nicht möglich, dass jedes einzelne EU-Mit-gliedsland Behandlungsoptionen für alle Krankheiten anbietet. Mehr als andere EU-Bürger sind Patienten mit seltenen Krankhei-ten auf den Zugang zu fachärzt-licher Betreuung angewiesen, ganz gleich, wo diese verfügbar ist, sowie auf die Erstattung der hierbei entstehenden Kosten.

Medikamente für seltene Krankheiten aus dem Ausland

Trotz des zentralen Zulassungsverfahrens für Medikamente zur Behandlung seltener Krankheiten, variiert die Kostenerstattungspraxis und Verfügbarkeit innerhalb der EU. Wie kann die Kostenerstattung gewährleistet werden, wenn Patienten eine Behandlung im Ausland anstreben, deren Kosten im eigenen Land nicht übernommen werden?

Gründe für vorherige Genehmigungen

Die vorherige Genehmigung von Behandlungen und Wartelisten können als Planungstools für den Haushalt des Gesundheitswesens eingesetzt werden und ermöglichen eine Optimierung der Patientenströme sowie eine effizientere Verwaltung.

Unterschiede der Gesundheitssysteme in Europa

Ein Weg zur Begrenzung der Ausgaben für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung ist die Einschränkung der Kostenerstattung auf ambulante Behandlungen. Die verschiedenen Gesundheitssysteme der EU definieren stationäre und ambulante Behandlung auf unterschiedliche Weise und verkomplizieren ein Standard-Kostenerstattungsverfahren.

Warten auf die Erteilung der Genehmigung

Die Genehmigungsverfahren für grenzüberschreitende Behandlungen sind häufig langwierig. Zu den möglichen Folgen für den Patienten gehören psychologische Belastungen, gesundheitliche Konsequenzen oder sogar das Risiko zu sterben.

Recht auf Behandlung im Ausland – ethische Fragen

Sollten Einschränkungen, die aus ethischen Gründen für eine bestimmte Behandlung im Wohnsitzland des Patienten gelten (z. B. Gentests), für den Patienten und die angestrebte Behandlung auch in anderen Mitgliedsländern gelten?

Benötigen wir eine Richtlinie für die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung?

Derzeit existieren zahlreiche grenzüberschreitende Kooperationen im Gesundheitsbereich. Die Schaffung einer einheitlichen Struktur für die gesamte grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung durch die Verabschiedung einer Richtlinie könnte das Ende einiger grenzüberschreitenden Maßnahmen bedeuten, die vielen Patienten helfen.

Ist eHealth in Europa verbreitet?

eHealth ist derzeit noch nicht im gesamten Gesundheitssektor als zentrale gesundheitspolitische Komponente der Versorgungsstrategien und Dienstleistungen anerkannt.

Recht auf Gesundheitsversorgung

Das Recht auf Gesundheitsversorgung ist in der EU-Charter der Grundrechte anerkannt. Dem EU-Gerichtshof zufolge schließt der Begriff der Freizügigkeit auch die Gesundheitsversorgung mit ein, ganz gleich, wie die Beanspruchung dieses Rechts organisiert oder finanziert wird.

Die europäische Versichertenkarte

Die europäische Versichertenkarte berechtigt während des Aufenthalts in einem anderen EU-Mitgliedsland zu denselben Leistungen, die im Land des Versicherten verfügbar sind. Behandlungskosten für Krankheiten oder Verletzungen, die bereits vor Antritt der Reise bestanden, oder private Gesundheitsversorgung sind nicht abgedeckt.

Was versteht man unter einer grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung?

Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung bedeutet die Bereitstellung der medizinischen Leistungen eines Mitgliedslandes in einem anderen Mitgliedsland. Solche Leistungen beinhalten unmittelbar erbrachte Leistungen, z. B. persönliche Konsultationen, und telemedizinische Betreuung.

Was bedeutet Patientenmobilität?

Wenn ein Patient von einem Gesundheitsdienstleister in einem EU-Mitgliedsland, in dem er nicht ansässig ist, medizinisch betreut wird (z. B. zu Diagnose- oder Behandlungszwecken), spricht man von Patientenmobilität.

Welche Aufgabe hat der europäische Ombudsmann?

Er oder sie nimmt Beschwerden von jedem EU-Bürger und jeder juristischen Person im Zusammenhang mit administrativen Problemen in Institutionen oder Körperschaften der Europäischen Union entgegen. Wenn Bürger Beschwerden über die Gesundheitsversorgung (z. B. mit grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung) einreichen möchten, können sie den Ombudsmann oder die Ombudsfrau kontaktieren.

Die Rolle der Binnenmärkte

Auch wenn Mitgliedsstaaten primär für die Erbringung von Gesundheitsdienstleistungen zuständig sind, müssen sie die europäische Gesetzgebung anwenden. Dies gilt insbesondere für den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital innerhalb der EU.

Reisen ins Ausland zur Behandlung

Wie Eurobarometer im Mai 2007 berichtete, sind 54 Prozent der Europäer bereit, wegen einer Behandlung in ein anderes EU-Land zu reisen.

Grenzregionen

Für Bürger, die in Grenzregionen leben, liegt das nächstgelegene Krankenhaus häufig im Nachbarland. Ein Drittel der EU-Bevölkerung lebt in Grenzregionen.

Welche Kosten werden im Rahmen der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung erstattet?

Die Kostenerstattung im Land des Patienten ist oft niedriger als die Behandlungskosten im Ausland. Diese Differenz wird vom Patienten getragen.

Unzureichende Informationen

Die Eurobarometer-Untersuchung ergab, dass 30 Prozent der EU-Bürger nichts von ihrem Anspruch auf Gesundheitsleistungen im Ausland wissen

Warum suchen Europäer nach Behandlungsmöglichkeiten im Ausland? (Eurobarometer)

91 Prozent der Teilnehmer geben als möglichen Grund fehlende Behandlungsoptionen vor Ort und 78 Prozent einen Qualitätsvorteil der Behandlung im Ausland an. 69 Prozent würden für die Behandlung bei einem renommierten Spezialisten, 64 Prozent zur Verkürzung der Wartezeit und 48 Prozent für niedrigere Behandlungskosten in Ausland reisen.

Anerkennung der Behandlung

Bei der aktuellen Gesetzeslage erhalten Patienten keine Kostenerstattung für Behandlungen, auf die ihr eigenes Land keinen Anspruch anerkennt.

Patienten mit seltenen Erkrankungen und grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung

Bei der Befragung von 6.000 Patienten ermittelte die Europäische Organisation für seltene Krankheiten, dass 1,8 Prozent von ihnen nach Behandlungsoptionen im Ausland suchen. Wenn diese Befragung für die geschätzten 30 Millionen Patienten mit seltenen Krankheiten repräsentativ ist, existiert ein erheblicher Bedarf an grenzüberschreitender Gesundheitsversorgung.

Grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung: Entwurf der EU-Richtlinie

- Patienten erhalten eine Kostenerstattung für Behandlungen, für die ein Anspruch im eigenen Land besteht
- Vorauszahlung
- Erstattung desselben Betrags, den sie für eine Behandlung im Land erhalten hätten, in dem sie versichert sind.
- Patienten tragen zusätzliche Kosten
- Kein finanzieller Vorteil

Wie helfen fachmedizinische Zentren Patienten mit seltenen Krankheiten?

Sie verbessern den Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung und vereinen Experten für die Behandlung seltener Erkrankungen unter einem Dach. Da solche Zentren nicht für jede seltene Krankheit in jedem einzelnen Mitgliedsland eingerichtet werden können, müssen Patienten zu fachmedizinischen Zentren anderer Länder reisen.

Verfügbarkeit von Spenderorganen in Europa

In der EU warten derzeit 56.000 Patienten auf einen Organspender. Jeden Tag sterben 12 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Die Organspendebereitschaft reicht von 34,6 Spendern je 1 Million Einwohner in Spanien bis hin zu 6 in Griechenland und 0,5 in Rumänien.

Kosten der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung in der EU

Die grenzüberschreitende Mobilität verursacht Kosten in Höhe von 1 Prozent (10 Milliarden Euro) der Gesamtgesundheitsausgaben aller 27 EU-Mitgliedsländer (1.000 Milliarden Euro).

Medikamente in Europa

In Europa besteht kein gemeinsames System für die Medikamentenversorgung und -kostenerstattung. Die Verfügbarkeit variiert von Mitgliedsland zu Mitgliedsland, und in einigen Ländern kann es zu Versorgungsengpässen kommen. Dies trifft insbesondere auf Medikamente für seltene Krankheiten zu.

Keine europäischen Qualitätsstandards

Für viele Aspekte der Gesundheitsversorgung existieren keine europäischen Mindeststandards. Die praktizierte Qualitätsüberwachung der nationalen Gesundheitssysteme unterscheidet sich erheblich. Die Gesundheitsversorgung ist eine nationale Aufgabe.

Sprachbarrieren

Die Übernahme der Kosten einer notwendigen Übersetzung bei Behandlungen im Ausland und die Anerkennung von Verschreibungen werden durch die aktuelle EU-Gesetzgebung nicht hinreichend geregelt.

Preisunterschiede der Gesundheitsdienstleistungen

Nicht nur die Qualität, auch die Preise der Gesundheitsdienstleistungen variieren erheblich unter den Mitgliedsländern.

Unterschiedliche Definitionen von medizinischer und sozialer Versorgung

Die Mitgliedsstaaten definieren medizinische Versorgung, psychologische Betreuung, Krankenpflege, soziale Betreuung und sogar „medizinisch notwendige Behandlung“ unterschiedlich.

Was ist eHealth?

Jede Gesundheitsdienstleistung wird durch elektronische Prozesse und Kommunikation unterstützt, etwa Informationsnetzwerke, elektronische Patientenakten, Telemedizin, Portale und sonstige informations- und kommunikationsbasierte Tools, die Prävention, Diagnose, Behandlung und Überwachung ermöglichen.

Fruchtbarkeitsbehandlung im Ausland

Jedes Jahr werden 20.000 bis 25.000 grenzüberschreitende Fruchtbarkeitsbehandlungen vorgenommen. Mehrere tausend Frauen suchen derzeit im Ausland nach Hilfe, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Europäische Referenznetzwerke (ERN) der Fachzentren

Hierbei handelt es sich um physische oder virtuelle Wissens- und Kompetenznetzwerke der Fachzentren in Europa. Ihr Ziel besteht in der Verbesserung von Qualität und Management der Behandlungsoptionen für eine seltene Krankheit oder eine Gruppe seltener Krankheiten.

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